Digitaler Totalschaden in einem Naturkundemuseum wäre für sich allein schon peinlich genug. Interessant wird es dort, wo dieser Vorfall nicht mehr wie ein Ausrutscher wirkt, sondern wie ein weiterer Punkt in einer ziemlich deutlichen Punktwolke. Genau da setzt dieser dritte Teil meiner Mini-Serie an: nicht mehr bei der einzelnen Institution, sondern bei dem, was sich dahinter als Struktur abzeichnet.
Im ersten Beitrag1 habe ich das Sicherheitsalphabet sortiert: CIA(AN), KGB, DIE, CAP, Idempotenz. Der zweite Teil2 hat das Naturkundemuseum Berlin seziert und dieses Raster auf den konkreten Vorfall gelegt. Mit diesem Text ziehe ich die Kamera noch weiter weg. Ich will verstehen, weshalb ein Haus, das sich „Wissenschaft“ auf die Fahnen schreibt, jahrelang im digitalen Koma liegen kann, ohne dass die Republik in einen Schockzustand verfällt, und weshalb sich die gleichen Muster bei Krankenhäusern, Landkreisen, Behörden und Konzernen wiederholen.
An dieser Stelle kommen meine eigenen Arbeitsbegriffe ins Spiel: Double-Gaussian3, Kohärenzfilter4, Steganographie der Narrative5.6 7 8 Und die Frage, ob hier noch irgendjemand kämpft oder ob die Westeuorpäischen Staaten um Besteverland, das Land der Wirbellosen, wie ich gerne anmerke, kollektiv beschlossen hat, die Zivilisation im Leerlauf zu versch(l)eissen.
Naturkundemuseum als Regel, nicht als Ausnahme
Der Berliner Fall ist mittlerweile gut dokumentiert. Ein Brute-Force-Angriff auf Accounts, Übernahme des Active Directory, binnen kurzer Zeit werden rund 84 Terabyte Daten verschlüsselt, der IT-Leiter zieht in Panik den Stecker, Wissenschafts-IT tot, Forschung lahmgelegt, internationale Kooperationen gestoppt, Wiederaufbau seit nunmehr zwei Jahren nicht abgeschlossen. Schäden in Millionenhöhe, Karrieren (selbstverschuldet – no backup – no mercy) zerbrochen, personenbezogene Besucherdaten abgezogen und veröffentlicht.9
Hadmut Danisch hat diesen Zustand treffend als „digitale Nacht“ bezeichnet: ein Haus, das ohne IT faktisch nicht mehr existiert und dem nach dem Angriff nichts Besseres einfällt, als alles komplett abzuschalten, weil man seiner eigenen Infrastruktur zu Recht nicht mehr traut.10
Würde es bei diesem einen Fall bleiben, könnte man noch grosszügig sein und das Ganze als besonders eklatanten Unfall abheften. Genau das funktioniert aber nicht. Schon seit 25 Jahren nicht mehr.
Der IT-Ausfall an der Uniklinik Düsseldorf 2020 war kein Laborversuch, sondern hatte ein Menschenleben als beiläufiges Kollateral. Ein Ransomware-Angriff legt die IT flach, Notaufnahmen werden abgemeldet, eine Patientin muss in ein anderes Krankenhaus verlegt werden und stirbt. Staatsanwaltschaft und Justiz diskutieren anschliessend fahrlässige Tötung.11
Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld erklärt 2021 als erste Verwaltung in Deutschland den Cyber-Katastrophenfall, was auch immer das sein mag, Hauptsache es klingt gut im bunten Land, weil Ransomware die Kreisverwaltung lahmlegt, Leistungen wochenlang nur noch per Fax und Telefon erbracht werden können, elektronische Verfahren faktisch zum Erliegen kommen.12
Im Sommer 2024 sorgen ein fehlerhaftes Update der Crowdstrike-Agenten und der bekannte Qualitätsstandard grosser US-Cloudanbieter dafür, dass weltweit Flüge ausfallen, OPs verschoben werden, kritische Infrastruktur zum Teil auf Papierbetrieb zurückfällt, weil Windows-Systeme reihenweise nicht mehr booten.13
Berlin schafft es, parallel zu diesen Ereignissen, die eigenen Bürgerämter mit IT-Ausfällen in die Schlagzeilen zu bringen, Termine platzen zu lassen und einen Zustand zu produzieren, in dem Menschen mit gebuchten Zeitfenstern vor verschlossenen Schaltern stehen, weil das System „gerade nicht kann“.14
Naturkundemuseum, Uniklinik, Landkreis, globale Infrastruktur, Bürgerämter . Unterschiedliche Sektoren, unterschiedliche Bedrohungsvektoren, unterschiedliche Betreiberlogiken. Das Muster bleibt bemerkenswert homogen. Die Zahl derer ist mittlerweile Legion.
Sobald ein Problem auftritt, das nicht in die ritualisierten Pfade der bestehenden Verwaltung und ihrer Dienstleister passt, versagt die Struktur. Und nicht nur ein bisschen, sondern fundamental, dass Kernfunktionen von Monaten bis Jahren faktisch nicht mehr erbracht werden.
Je formalisierter, regulierter und „professionalisierter“ der Apparat auftritt, desto stärker scheint diese Blockade. Man sieht nie einen kleinen mittelständischen Betrieb, der nach einem Angriff zwei Jahre lang offline ist. Man sieht aber reihenweise hochgradig formal organisierte Institutionen, die wahnsinnige Summen verbrennen, um ihre eigenen Versäumnisse nachzupflastern, und die gleichzeitig so tun, als sei das alles eine Art Naturereignis.
Genau an dieser Stelle setzt meine vor geraumer Zeit eingeführte ad-hoc Double-Gaussian-These an.
Double-Gaussian: Kompetenz als Mischverteilung
Die naive Vorstellung geht noch immer von einer Normalverteilung aus: eine Normalverteilung der Kompetenz, irgendwo in der Mitte ein breiter, solider Kern, rechts ein paar hochbegabte Ausreisser, links ein paar Totalausfälle, die im Extremfall menschliche Culturen auch schon mal jenseits dieses Planeten wähnen, oder die mit Wirtschaft noch nie etwas anfangen konnten. Dieses Bild beruhigt, ist empirisch aber zunehmend unhaltbar.
Was ich beobachte und modellhaft als Double-Gaussian bezeichne, sieht anders aus. Das ist keine wissenschaftlich sauber hergeleitete Populationsstudie, sondern ausdrücklich eine heuristische Skizze, die sich aus Beobachtung und Erfahrungswissen speist, nicht aus formalisierten statistischen Verfahren. Der Gedanke lautet vereinfacht: Es gibt eine erste grosse Normalverteilung, die normale Alltagsintelligenz abbildet, und darüber eine zweite, wesentlich kleinere Verteilung, die Personen repräsentiert, die nicht nur intelligent im Sinne u.a. von Weltwissen und Methodenkompetenz sind, sondern dauerhaft abstrakte Modelle halten, vergleichen, falsifizieren und neu aufbauen können.
In meiner persönlichen Arbeitsthese liegen in dieser zweiten Kurve vielleicht im globalen Massstab Grössenordnungen im niedrigen Millionenbereich, irgendetwas um Grössenordnungen von einer guten Million Menschen weltweit, die wirklich in der Lage sind, komplexe gesellschaftliche, technische und rechtliche Strukturen konsistent zu denken und nicht nur phrasenhaft zu imitieren. Ich betone das noch einmal: Das ist keine peer-reviewte Studie, sondern eine bewusst vereinfachte Heuristik, die mir hilft, den alltäglichen Wahnsinn zu deuten, den ich erlebe.
Der Naturkundemuseum-Fall liefert Anschauungsmaterial, wie so etwas in der Praxis aussieht. Auf der technischen Ebene existieren durchaus Spezialisten, wenn auch nur vereinzelt, die wissen, was zu tun wäre: automatisierte Builds, idempotente Prozesse, segmentierte Netze, Offsite-Backups, Wiederherstellungsübungen. Auf der Ebene der Entscheider dominieren aber andere Kriterien. Wichtig ist, dass Haltung gezeigt wird, der Kampf gegen Rechts ist von herausragender Wichtigkeit, denn der Widergänger des Leibhaftigen steht unmittelbar vor der Machtübernahme, dass dem Klimagott demütigst gehuldigt wird, dass jegliche biologische Realität von nur und nur zwei Geschlechtern geleugnet wird, dass die Drittmittelanträge gut aussehen, dass die Politik zufriedengestellt wird, dass die nächste Evaluation der Leibniz-Gemeinschaft positiv ausfällt. Kontinuitätsmanagement taucht als Formulierung vielleicht in einer Strategie auf, aber nicht als harte Steuerungsgrösse.
Erschreckend gleichlaufend Krankenhäuser und Landkreise: Der technische Unterbau warnt seit Jahren vor den Risiken, BSI und andere Fachstellen veröffentlichen Hinweise, Gutachten, Checklisten. Gleichzeitig sitzen in den entscheidenden Haushalts- und Steuerungsgremien Menschen, die bei „Segmentierung“ an Stadtplanung denken. Das Ergebnis kennt man aus Düsseldorf und Anhalt-Bitterfeld.15
Die Double-Gaussian-Struktur ist deshalb so perfide, weil sie den Eindruck von Professionalität erzeugt. Auf den Konferenzen und Panels treten genau die Personen auf, die sich hervorragend in den rhetorischen Codes der ideologischen Verblödung im Stadium nach Endstadium bewegen, die die passende Stichwortwolke bedienen und alle richtigen Signale senden, bis hin zur devoten Selbstaufgabe und Selbstleugung, eben Deutschland, das Land der Wirbellosen. Dass sie mit einem echten Zero-Day, einer verteilten Ransomware-Welle oder einem systemischen Update-Fehler konzeptionell überfordert sind, merkt der Fachmann bei diesen Transbekloppten instantan, der Rest erst im Ernstfall, und viele zu Viele leider niemals nicht, unter keinen Umständen.
Dass Zivilisationen an externer Gewalt zugrunde gehen, ist das eine Szenario. Das andere, weitaus langweiligere, besteht darin, dass die Komplexität der eigenen Infrastruktur das intellektuelle Tragevermögen der Führungsstrukturen übersteigt. Man kann das als Zivilisationspuffer bezeichnen: ein Vorrat an Kompetenz, Robustheit und Redundanz, der kleine und mittlere Störungen abfedert. Dieser Puffer wird im Westen seit Jahren erodiert. Im bunten Besteverland, das seit wahrscheinlich 540 Millionen Jahren, also seit der kambrischen Explosion existiert, ist dieser Puffer erfolgreich bereits in den negativen Berich verschoben worden. Die Deutschen sind als Volk die einzigen in der Geschichte der Culturen und Civilisationen dieses Planeten, die es geschafft haben in nur 90 Jahren dreimal in den totalen Untergang zu gehen. Aber irgendwas ist bekanntlich immer. Zum Trost möge man sekundieren: Wenigstens etwas.
Kohärenzfilter: Wer keine kognitive Hygiene pflegt, ertrinkt in Narrativen
Mein Arbeitsbegriff des Kohärenzfilters beschreibt jene Eigenschaft, die ich bei erstaunlich wenigen Menschen konsistent beobachten kann: die Fähigkeit, Widersprüche wahrzunehmen, eigene Annahmen regelmässig gegen Realitäten zu testen, Informationsquellen gegeneinander zu stellen, statt sich von der bequemsten Erzählung einlullen zu lassen.
Ein funktionierender Kohärenzfilter verlangt mehrere Komponenten: kognitive Reflexion, hohe Bullshit-Toleranz, keinerlei Empfänglichkeit für Gruppendruck und eine gewisse Grundhärte sich selbst gegenüber. Man muss ertragen können, dass das eigene bisherige Weltbild partiell falsch war.
Wer diesen Filter nicht besitzt oder nicht nutzt, kann mit Konzepten wie CIA(AN), CAP oder Idempotenz wenig anfangen. Die Begriffe lassen sich zwar in Strategiepapiere schreiben, verhalten sich dort aber eher wie Dekoration.
Man nehme die offizielle Kommunikation nach Cybervorfällen. Museum, Klinikum, Landkreis, Bürgeramt, Cloudanbieter, sie alle verwenden ähnliche Vokabeln, gleichlautende Phrasen, Satzverstücke. Es ist von „komplexen Systemen“ die Rede, von „Herausforderungen“, von „aufwendiger Wiederherstellung“. Angreifer erscheinen als quasi übernatürliche Gewalt, die Organisation als bemühtes Opfer, das „Schritt für Schritt“ wieder auf die Beine kommt. Die eigene unfassbare, unbeschreibliche Dummheit, Inkompetenz, Qutenweiberei, Buntheit, all das und noch viel mehr werden als Stärke kommuniziert aber leider, leider, war der Gegenüber so gemein. Kommunikation und Selbstbildnis auf dem Niveau von Zweijährigen. Infantiles Gebrabbel im Stadium nach Endstadium. Ich wiederhole mich nur.
Ein funktionierender Kohärenzfilter würde an dieser Stelle sofort bohren. Wenn eine Forschungseinrichtung 84 Terabyte Daten verliert, stellt sich nicht primär die Frage, wie „gemein“ die Angreifer waren, sondern wieso diese Menge an Daten nicht über mehrere, sauber segmentierte Systeme verteilt war, wieso Backups nicht in annehmbarer Frist zurückgespielt werden konnten und wieso die Architektur so fragil war, dass ein einzelner Angriff das gesamte Haus in die Knie zwingt.
Wenn ein Krankenhaus nach einem Angriff nicht mehr in der Lage ist, Notfallpatienten anzunehmen, fragt ein Kohärenzfilter nicht nur nach dem Strafrecht, sondern nach der Systemplanung: welche Szenarien wurden antizipiert, welche Redundanzen waren vorgesehen, welche manuellen Fallbacks geübt.
Wenn ein Landkreis Tagen oder Wochen nach einem Ransomware-Befall nur noch per Fax erreichbar ist, stellt sich die Frage, wieso zentrale Verwaltungsprozesse so monolithisch auf eine einzige IT-Plattform gekoppelt sind, dass kein definierter Degradationsmodus existiert, in dem wenigstens rudimentäre Leistungen getrennt laufen.
Der gesellschaftliche Kohärenzfilter ist dagegen erstaunlich schlaff geworden. Die meisten nehmen die offiziellen Erzählungen hin und sortieren den Vorgang unter „schlimme Hacker“ ein. Dass hier ganz grundlegende methodische Defizite vorliegen, die seit Jahrzehnten adressiert, beschrieben und lösbar wären, prallt an der Mehrheit ab. Weil die geistige Kapazität ersichtlich nicht ausreicht und ein Leben in würderloser, aber wenigstens gleicher Armut für alle, in Unfreiheit, versklavt, gedemütigt, gepeinigt einem Leben in Freiheit, Prosperität, mit Würde und Stärke, Cultur und Civilsation aus energetischen Gründen vorgezogen wird.
Dieser Filterausfall erklärt, weshalb Begriffe wie CIA(AN), CAP oder Idempotenz in den offiziellen Texten so gut wie nie auftauchen. Würde man sie verwenden, fiele unverzüglich auf, dass man die eigenen Standards nicht erfüllt. Also verlegt man sich auf abstrakte Formeln und lässt das Publikum mit einem diffusen „Das war alles sehr schwierig, wir geben uns Mühe“ zurück. Mühe geben sich Waschmaschinen auch.
Steganographie und Narrativ: Wie Systeme ihr eigenes Versagen verpacken
Steganographie ist in der Informatik eine bekannte Technik: Informationen werden so in harmlose Träger eingebettet, dass ein unkundiger Beobachter das eigentliche Signal nicht bemerkt, nicht bemerken kann. Bilder enthalten versteckte Nachrichten, Protokolle transportieren Zusatzbits, ohne dass es auffällt.
Auf der Ebene gesellschaftlicher Kommunikation funktioniert etwas Ähnliches. Ich würde es soziale Steganographie nennen. Systemisches Versagen wird in Sprachformeln eingebettet, die oberflächlich professionell klingen, das eigentliche Signal aber maskieren.
Nach dem Angriff auf das Naturkundemuseum liest man von „komplexen IT-Systemen“, „aufwändigen Wiederherstellungsarbeiten“, „dringendem Bedarf an mehr Ressourcen“. Man erfährt, dass eine „Waschstrasse“ für 1’000 Rechner aufgebaut wurde, dass man „Schritt für Schritt“ eine „robuste, zukunftssichere IT-Infrastruktur“ aufbaue.
Was im Klartext heisst: Die Systeme waren vor dem Angriff bereits in einem Zustand, der keine schnelle, automatisierte Wiederherstellung zuliess. Es fehlte an deterministischen Build-Pipelines, an sauber dokumentierten Konfigurationen, an geübten Notfallpfaden. Man musste zeitraubende Einzelmassnahmen erfinden, weil man den Normalfall nie ordentlich modelliert hat.
Beim Angriff auf die Uniklinik Düsseldorf lauten die offiziellen Formulierungen ganz ähnlich. Das BSI spricht von einem „weitreichenden IT-Ausfall“, einer „Sicherheitslücke in verbreiteter Software“, schrittweiser Wiederherstellung, Kooperation mit Betreibern. Medien greifen das auf und ergänzen um Begriffe wie „Cyberangriff“, „Erpressung“, „Warnung vor akuter Gefahr für die Patientensicherheit“.
Das versteckte Signal lautet: Die Klinik hatte zwar einen Alarmplan und gewisse technische Schutzmassnahmen, war aber strukturell nicht darauf ausgelegt, bei einem IT-Ausfall medizinische Kernfunktionen in einem definierten manuellen Modus weiterzuführen. Man hatte das digitale Gefüge als quasi selbstverständlich betrachtet und war auf den Fall eines breiten Totalausfalls nicht vorbereitet.
Beim Landkreis Anhalt-Bitterfeld wiederholt sich das Muster in kommunaler Variante. Offizielle Stellen betonen den „massiven Angriff“, die „ungewöhnliche Lage“, die Notwendigkeit komplexer Wiederaufbauarbeiten. Das implizite Signal: Die digitale Abhängigkeit war so einseitig, dass klassische Verwaltungsleistungen ohne funktionierende IT nicht mehr erbracht werden konnten, weil Prozesse, Personal und Strukturen dies nicht mehr vorsahen.
Die globale Crowdstrike-Panne zeigt die gleiche Rhetorik in technikindustrieller Verpackung. Offizielle Stellungnahmen reduzieren das Geschehen auf einen „fehlerhaften Updateprozess“, einen „Konfigurationsfehler“, reagieren mit standardisierten Entschuldigungen und versprechen natürlich „konsequente Aufarbeitung“. Dass Fluggesellschaften, Krankenhäuser und andere Betreiber so massenhaft von einem einzigen herstellerseitigen Fehler abhängen, ist das eingekapselte Signal.
Steganographie in diesem sozialen Sinn heisst: Man bettet das Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit in formal korrekte, aber semantisch entkernte Sprachhülsen ein. Wer genau hinschaut, erkennt das Muster. Wer den Kohärenzfilter abgeschaltet hat, hört nur „komplexer Vorfall“, kann man halt nix machen und „wir kümmern uns“, was wiederum nichts anderes bedeutet als „leckt uns im Arsch“.
Mit der Zeit entsteht daraus ein Narrativ, das die Rollen festlegt. Auf der einen Seite die guten, bemühten Institutionen, auf der anderen die bösen Hacker, Ransomware-Gruppen, fehlerhaften Updates. Der strukturelle Fehler, dass man seine eigene Abhängigkeit nie ernsthaft modelliert hat, die eigene Unfähigkeit nie in Frage gestellt hat, verschwindet im Hintergrundrauschen. Wie die grauen Herren.
Westeuropa in der Selbstauflösung: Formate ohne Substanz
Die häufigste Reaktion auf diese Diagnose lautet sinngemäss: „So schlimm wird es schon nicht sein.“ Die Leute sehen funktionierende Supermärkte, funktionierende Zahlungssysteme, halbwegs funktionierende Bahnfahrpläne und schliessen daraus, die Lage sei zwar lästig, aber nicht katastrophal.
Das Problem liegt woanders. Zivilisation lebt nicht nur von funktionierenden Alltagsabläufen, sondern von einem Puffer: einem Überhang an Kompetenz, Redundanz und methodischer Fähigkeit, der es ermöglicht, Neuland unter Unsicherheit zu betreten. Genau dieser Puffer ist mittlerweile stark negativ.
Man sieht eine wachsende Kluft zwischen der Fähigkeit, Formate zu bedienen, und der Fähigkeit, echte neue Probleme unter Zeitdruck zu bearbeiten. Der akademische und administrative Überbau beherrscht Kampf gegen Rechts, Gender- und Qutenscheiss, Buntheits- und Steinzeitislamistenhuldigung, Buchstabenmenschenverehrung, PowerPoint, Gremienregeln, Tagungsformate, Evaluationszyklen, ESG-Reports, DEI-Leitfäden und sonstigen ideologischen Mummenschanz und magischen Glauben. Sobald ein Vorfall ausserhalb dieses Bällebads der Traumtänzereien liegt, bricht die Handlungskompetenz weg.
Versagt wird nicht bei Quantenfeldtheorie oder kosmologischer Topologie, sondern bei angewandter Informatik, Backup, grundlegender Netzarchitektur. Also bei Dingen, die seit Jahrzehnten in Büchern, RFCs und Schulungen verankert sind.
Double-Gaussian erklärt, warum das nicht sofort auffällt. Es gibt die kleine Gruppe, die die Dinge versteht und oft verzweifelt versucht, intern gegenzusteuern. Es gibt die grosse Masse, die mit der Komplexität des Systems selbst unter engmaschiger Anleitung nur noch schlecht als recht umgehen kann und solange kein Ernstfall eintritt. In den Schaltstellen sitzen diejenigen, die das System kommunikativ darstellen, aber nicht intellektuell tragen können oder wollen.
Der Naturkundemuseum-Fall ist deshalb so brutal ehrlich, weil er genau diese Strukturen sichtbar macht. Da sitzt ein Direktor, der im Interview erklärt, man habe veraltete IT gehabt, der Wiederaufbau sei schwierig, die Politik müsse mehr Geld geben, die Angreifer seien sehr professionell gewesen. Die eigene Unfähigkeit wird aufrichtig nicht erwähnt. Mit keinem einzigen Wort.
Die gleiche Logik findet man bei Krankenhäusern, die nach einem Angriff hektisch neue Firewalls installieren, ohne das Grundproblem der Abhängigkeit von monolithischen Krankenhausinformationssystemen anzugehen. Bei Landkreisen, die nach einem Trojannerfall neue Virenscanner kaufen, ohne ihre Verfahren so umzubauen, dass sie bei IT-Ausfall noch funktionieren. Bei grossen Konzernen, die nach einem globalen Update-Desaster versprechen, „aus dem Vorfall zu lernen“, wobei genau nichts an der zentralen, vendorgetriebenen Abhängigkeit geändert wird.
Wer hier noch von „Pannen“ spricht, der hat den Massstab verloren oder schlimmer noch, nie je einen sein Eigen genannt. Eine Panne ist, wenn in einem Rechenzentrum einmal kurz eine Klimaanlage ausfällt. Zwei Jahre digitale Lähmung eines Forschungshauses oder lebensbedrohliche Versorgungslücken in Kliniken sind keine Pannen mehr, sondern Symptome eines systemic failure, Vorboten des totalen Untergangs.
Trump wird von den üblichen Kreisen gern als dumpfer Apokalyptiker karikiert, wenn er sagt: „Your countries are going to hell.“ Auf die digitale Selbstverwaltung bezogen trifft dieser Satz den Zustand erschreckend gut. Man schaut dem eigenen Verfall zu, hält Diskussionspanels über „Genderscheiss“, „Klimahöllentod“, „Resilienz“ und „digitale Souveränität“, während die eigene Infrastruktur beim ersten Luftzügchen zusammenklappt.
Existentielle Klammer
Der Punkt, an dem die Sache existentiell wird, liegt nicht in der Technik, sondern in der Haltung.
Bürger, die diese Vorfälle nur als Medienrauschen wahrnehmen und sich damit abfinden, dass Verwaltung, Krankenhäuser, Forschungseinrichtungen und kritische Infrastruktur in unregelmässigen Abständen wochenlang ausfallen, haben innerlich bereits kapituliert. Es ist bequem, niedrigenergetisch eben, keine Strukturen zu hinterfragen, Verantwortliche zu adressieren, rechtliche und politische Konsequenzen einzufordern.
Spezialisten, die wissen, wie man Infrastrutktur korrekt implementiert, sich aber hinter dem Satz „Ich kann ja nichts ändern“ verstecken, tragen eine eigene Verantwortung. Wer Zugriff auf Wissen und Methoden hat und sie nicht in die Arena trägt, sondern sich in den Binnenkreis zurückzieht, hilft bei der Selbstauflösung mit.
Institutionen, die lieber Narrative pflegen, in denen sie Opfer gemeiner Angreifer sind, statt die eigenen Strukturen brutal ehrlich zu seziern, zementieren den Status quo. Man klammert sich an die Idee, man könne mit ein bisschen mehr Budget, ein paar neuen Quotenstellen für die Dümmsten der Dümmsten, einer weiteren „Taskforce“, einer Runde „Gruppenkuscheln“ im Bällebad zum „Teambuilding“ das Problem kosmetisch behandeln, und vermeidet konsequent jene Fragen, die an die Substanz gehen würden: Architektur, Verantwortlichkeit, Auswahl von Führungspersonal, Verhältnis von Form zu Inhalt.
Mein eigener Kernsatz lautet seit Jahren: Wer nicht kämpft, der hat bereits verloren.
Kämpfen heisst in diesem Kontext nicht, auf Social Media wütende Kommentare zu tippen, sondern Strukturen anzugreifen. Es heisst, bei jedem Vorfall nach den methodischen Ursachen zu fragen: Wo wurde gegen offensichtliche Prinzipien verstossen, welche Standards wurden nicht umgesetzt, welche Verantwortungsträger haben ersichtlich versagt. Es heisst, politische Ebenen zu adressieren, die jahrelang Digitalisierung als PR-Bühne genutzt und gleichzeitig die reale Infrastruktur verkommen lassen haben.
Kämpfen heisst auch, im eigenen Umfeld keine Ruhe zu geben. Admins, die weiterhin historische Server mit handgestrickten Skripten betreiben, statt sich den Aufwand einer automatisierten Plattform zu machen, dürfen sich von mir keine Nachsicht erwarten. Chefetagen, die „Digitalisierung“ mit irgendwelchen Apps verwechseln, während sie Kernsysteme auf unsicheren fossilen Plattformen laufen lassen, sind Teil des Problems. Nieten in Nadelstreifen, eine ganz besondere Spezies im Land der Wirbellosen.
Wer bei all dem stillhält, der verteidigt faktisch den status quo.
„Alles gegen Deutschland“ wirkt als Diagnose hart, aber sie lässt sich belegen. Naturkundemuseum, Uniklinik, Landkreise, globale IT-Pannen, Bürgerämter, Infrastruktur gleich welcher Art, dazu eine politische und mediale Klasse, die dermaßen transbekloppt, ideologiebesoffen, endverblödet im Stadium nach Endstadium, so unfassbar wirbellos als auch würdellos daherkommt, und dabei so dünnhäutig ist, bei dem leisesten Lacher nach Mami und Papi rufen, sich so gerne über magisches Denken und Haltung produziert, all das und noch viel mehr, das ist kein Betriebsunfall, sondern eine Trajektorie.
Trump formuliert das in seinem Stil:
„Your countries are going to hell.„
Und leider hat er die besseren Belege für seine Aussage.
Die einzige offene Variable ist, wie viele noch bereit sind, dagegen anzulaufen. Nicht mit Illusionen, sondern mit schmerzhaften, methodisch fundierten Eingriffen in Strukturen. Wer nicht kämpft, der hat bereits verloren. Und wer ohne Zweifel kämpft, ebenfalls. Wer sich mit der digitalen Nacht abfindet, braucht sich über den Untergang nicht mehr zu wundern. Wenn der Sieg gewiss ist, dann wird jeder Feigling kämpfen.
Alles für Deutschland, alles für die Cultur, alles für die Civilisation, alles für die Freiheit.
- https://coresecret.eu/2025/12/08/vom-sicherheitsalphabet-cia-kgb-die-cap/ ↩︎
- https://coresecret.eu/2025/12/09/vom-desaster-vom-bunten-besteverland-vom-shithole-berlin/ ↩︎
- https://coresecret.eu/2025/12/03/von-der-komplexitaet/ ↩︎
- https://coresecret.eu/2025/12/04/von-kohaerenzfiltern-vom-sein/ ↩︎
- https://coresecret.eu/2025/12/07/steganographie-und-narrativfilter/ ↩︎
- https://coresecret.eu/2025/11/28/vom-sein-beginn-einer-blogserie/ ↩︎
- https://coresecret.eu/2025/12/09/von-pauli-desmet-filtern-rausch-attraktoren-nullpunktsenergie-vom-totalitarismus/ ↩︎
- https://coresecret.eu/2025/11/30/von-der-internalisierung/ ↩︎
- https://coresecret.eu/2025/12/09/vom-desaster-vom-bunten-besteverland-vom-shithole-berlin/ ↩︎
- https://www.danisch.de/blog/2025/12/07/in-berlin-herrscht-digitale-nacht-vom-gehackten-naturkundemuseum/ ↩︎
- https://www.uniklinik-duesseldorf.de/ueber-uns/pressemitteilungen/detail/it-ausfall-an-der-uniklinik-duesseldorf ↩︎
- https://kommunalwiki.boell.de/index.php/Cyberangriff_auf_Landkreis_Anhalt-Bitterfeld_2021 ↩︎
- https://background.tagesspiegel.de/digitalisierung-und-ki/briefing/eine-it-panne-und-ihre-folgen ↩︎
- https://www.it-daily.net/shortnews/it-ausfaelle-in-berlins-buergeraemtern ↩︎
- https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Presse/Pressemitteilungen/Presse2020/UKDuesseldorf_170920.html ↩︎
