Die Hilbert Salami. Von unendlichen Geschichten.

David Hilberts berühmtes Hotel ist voll und nimmt trotzdem neue Gäste auf. Jeder rückt einen Schritt weiter, und schon ist wieder Platz. Genau aus dieser Logik lässt sich eine politische Metapher bauen, die bedrückend gut in die Gegenwart passt. Die „Hilbert Salami“ ist nie ganz abgeschnitten. Sie ist bereits fast gegessen, und doch bleibt immer noch eine Scheibe übrig. Die bekannte Salamitaktik bekommt damit eine neue Form. Nicht bloss das Problem wird scheibchenweise verschoben. Das versprochene, greifbare, überprüfbare Ergebnis selbst wandert mit jeder neuen Scheibe weiter in die Zukunft. Was eben noch als konkret und bald angekündigt wurde, erscheint im nächsten Moment erneut als Zwischenstufe, Vorphase, Vorprüfung, Übergang, Impuls, Signal oder Auftakt. Die Geschichte endet nie. Sie wird nur fortlaufend verlängert.1

Gerade deshalb ist der Fall Fernandes, Ulmen, Spiegel, HateAid, Hubig als politisch mediale Miniatur so aufschlussreich. Nicht deshalb, weil seine materielle Wahrheit bereits feststünde. Das tut sie nicht. Gesichert ist etwas anderes. Collien Fernandes erhob schwere Vorwürfe gegen Christian Ulmen. Ulmen bestreitet zentrale Teile davon und geht presserechtlich gegen den Spiegel vor. Die spanische Staatsanwaltschaft wollte das Verfahren nach Deutschland abgeben, weil sie sich für die angezeigten Taten nicht zuständig sah und weil bereits in Deutschland ermittelt wurde. Parallel wurde der Fall in eine Debatte über digitale Gewalt, Deepfakes, Strafbarkeitslücken und neue Gesetzgebung eingespeist. HateAid positionierte sich öffentlich an Fernandes’ Seite. Campact und WeAct machten daraus eine Petition mit zehn Forderungen und rund 250 prominenten Unterstützerinnen. Das Bundesjustizministerium erklärte öffentlich, man wolle den Schutz vor digitaler Gewalt ausbauen; in der juristischen Fachpresse war von einem fast fertigen Entwurf die Rede.2 3 4 5 6 7 8

Schon diese Sequenz genügt. Sie zeigt, wie aus einem konkreten, strittigen und rechtsförmig eigentlich vorsichtig zu behandelnden Konflikt in kürzester Zeit ein moralisch aufgeladener Anlassfall werden kann, an den sich Aktivismus, NGO Kommunikation, journalistische Dramatisierung und politische Ankündigung anlagern. Exakt an dieser Stelle docken meine früheren Beiträge an. In „Wo waren wir?“ hatte ich den Gedanken entwickelt, dass Öffentlichkeit nicht primär nach objektiver Schadensintensität reagiert, sondern nach narrativer Verarbeitbarkeit. Fälle mobilisieren nicht bloss wegen ihres Unrechtsgehalts, sondern wegen ihrer Anschlussfähigkeit an bestehende Rollen, Sprachcodes, Belohnungsstrukturen und semantische Schienen.9 In „Vom Sein. Von der Wärme des Kollektivismus.“ ging es um die psychische Temperatur geschlossener Narrative, also um Zugehörigkeit als Entlastung von Ambivalenz und Komplexität.10Von Doppelmoral, Wissen und Umsetzung“ zielte auf die Sollbruchstelle zwischen moralischem Lexikon und asymmetrischer Selbstanwendung.11Von Nudging und Sludging“ beschrieb politische Kommunikation, die nicht nur informiert, sondern Charakterverwaltung betreibt, indem sie negative Sanktion und positive Selbstveredelung koppelt.12

Sofia Taxidis hat den sichtbaren, rauhen, polemischen Teil dieses Musters in mehreren Texten sehr klar beschrieben. Ihre Diagnose lautet sinngemäss: Erst wird ein Fall maximal moralisch aufgeladen, dann wird daraus öffentlicher Handlungsdruck hergestellt, dann werden Zweifel semantisch abgeräumt, und erst viel später oder unter äusserem Zwang korrigiert man still, was sich nicht mehr halten lässt. Als Beobachtungsebene trägt das erstaunlich gut. Als Tatsachenbehauptung im harten Sinn muss man präziser werden. Taxidis’ stärkste Zuspitzung, der ganze Komplex sei an „allen Fronten“ kollabiert, greift zu weit, sofern damit bereits eine materielle Widerlegung sämtlicher Vorwürfe gemeint wäre. Die zugänglichen Quellen geben das nicht her. Der Tagesspiegel berichtete nicht, Spanien habe keine strafrechtliche Relevanz gesehen, sondern dass die Staatsanwaltschaft auf Mallorca die Zuständigkeit in Deutschland sah, weil sich die Vorfälle überwiegend in Deutschland zugetragen haben sollen und dort bereits ermittelt werde. LTO berichtete über Ulmens presserechtlichen Angriff gegen vom Spiegel erzeugte Deepfake Verdachtslagen und weitere Verdachtsmomente, hielt aber zugleich fest, dass die Kernvorwürfe zur Erstellung von Fake Accounts gerade nicht angegriffen wurden. Die Zeit notierte zudem ausdrücklich, Fernandes habe Ulmen im Spiegel nicht explizit die Verbreitung von Deepfakes vorgeworfen, während sein Anwalt genau gegen solche durch Berichterstattung erzeugten Eindrücke vorging.

Diese Unterscheidung ist mehr als juristische Haarspalterei. Sie markiert den Ort, an dem Storytelling, Narrativbindung und doppelte Standards ineinanderkippen. Ein moralisch stark codierter Fall lebt öffentlich nicht nur von dem, was ausdrücklich behauptet wird. Er lebt von dem, was beim Publikum als Gesamtverdacht ankommt. Genau diese Zone ist politisch produktiv. Sie erlaubt maximale Mobilisierung bei minimierter Haftung, weil der Vollzug der Erzählung auf Konnotation, Suggestion, ikonische Bilder, Testimonialwirkung und soziale Taktung verteilt wird. Jeder Baustein bleibt für sich gerade noch beweglich. Die Gesamtwirkung ist dennoch eindeutig. Hier beginnt das, was ich an anderer Stelle steganographische Metabotschaft genannt habe. Der Klartext lautet Schutz, Solidarität, Sichtbarkeit, Betroffenheit. Die Nutzlast lautet: Das Thema ist entschieden genug, um politische Beute zu verteilen, noch bevor die Beweislage abgeschlossen ist.

Beobachtung: Ein konkreter Vorwurfskomplex wurde fast augenblicklich in Petition, NGO Kommunikation, Demonstration, politische Ankündigung und juristische Reformsemantik übersetzt. Modell: Solche Übersetzungen gelingen besonders gut, wenn ein Fall mit bereits eingefahrenen Narrativen kompatibel ist, also Körper, Geschlecht, Prominenz, Verletzbarkeit, digitale Technik und Gesetzeslücke in einem lesbaren Paket liefert. Interpretation: Die Öffentlichkeit reagiert dann weniger auf die Tiefenstruktur der Beweislage als auf die Verfügbarkeit eines moralisch anschlussfähigen Scripts. Werturteil: Eine Kultur, die so arbeitet, verliert rechtsstaatliche Disziplin und ersetzt sie durch affektive Vorverurteilung mit späterer Korrekturreserve. Das ist keine Sensibilität. Das ist eine weichgespülte Form der instrumentellen Unredlichkeit.

An genau dieser Stelle lässt sich die Construal Level Theory, die in der Klimakommunikation gerne zur Mobilisierung herangezogen wird, gegen ihren eigenen Narrativkanon wenden. Das Paper von Wang, Hurlstone, Leviston, Walker und Lawrence beschreibt, wie Menschen zeitlich, räumlich, sozial oder hypothetisch entfernte Phänomene abstrakter verarbeiten und deshalb schwächer handlungswirksam erleben. Bei Umweltfragen führe das zu Distanz, Abstraktion, Unsicherheit und damit zu geringerem Engagement. Die Autoren betonen aber ebenso deutlich, dass die Sache nicht mit dem simplen Rezept erledigt ist, man müsse Probleme nur „näher“ erzählen. Die Literatur gebe gerade keinen Königsweg von psychologischer Distanz zu Klimahandeln her. Mehr noch: Die Autoren warnen davor, die Distanz einfach kommunikativ herunterzudrücken. Das könne kontextabhängig auch polarisieren, backfire Effekte erzeugen und bleibende Verhaltensänderung gerade nicht liefern. Distant targets seien unvermeidlich, aber sie müssten durch konkrete Zwischenziele, klare Roadmaps und nachvollziehbare Mittel verbunden werden.13

Die Theorie eignet sich nicht nur, um Klimaziele „besser zu verkaufen„. Sie erklärt auch, wie politische Apparate und mediale Vorfelder öffentliche Geduld organisieren können. Man präsentiert ein fernes, grosses, moralisch überhöhtes Ziel. Dann zerlegt man es in kommunikativ griffige, emotional resonante Nahsequenzen. Nicht das Ergebnis wird überprüfbar gemacht, sondern die nächste Annäherung. Nicht die Zielerreichung steht unter Beweislast, sondern der jeweilige Übergang. Aus „Es wird besser“ wird „In wenigen Wochen kommt der Entwurf„. Aus „Die Grenzen werden geschlossen“ wird „Die Arbeitsgruppe tagt„. Usw. Usf. Die Entfernung schrumpft nie auf null. Sie wird bloss so moduliert, dass der Bürger sie als bewegte Gegenwart und nicht als endlosen Leerlauf erlebt. Das ist die Hilbert Salami. Jede Scheibe macht die Unendlichkeit subjektiv erträglich.

Das Paper liefert dafür fast unbeabsichtigt die theoretische Sprache. Es beschreibt temporal discounting und probability discounting, also die Tendenz, sichere Gegenwart stärker zu gewichten als unsichere Zukunft. In ordentlicher Politik wäre die Konsequenz daraus banal und nüchtern: Man braucht überprüfbare Zwischenziele, harte Terminierung, eindeutige Verantwortlichkeiten und eine sichtbare Verbindung zwischen Massnahme und Ergebnis. In manipulativer Politik passiert ausnahmslos das Gegenteil. Zwischenziele werden nicht als Rechenschaftswerkzeuge gebaut, sondern als Sedierungstechnik. Sie sollen nicht Kontrolle schärfen, sondern Enttäuschung vertagen. Aus der Handreichung für verantwortliche Langfristpolitik wird ein Werkzeug für die Verwaltung von Frustration.

Darin liegt auch der tiefere Sinn von Taxidis’ Beobachtung, dass der Fall Fernandes nicht nur als Einzelfall, sondern als Vehikel funktioniert. Sie zeigt, wie aus einem symbolisch starken Anlass binnen Tagen eine operative Kette werden kann: moralische Rahmung, semantische Vereinfachung, soziale Verdichtung, politischer Anschluss. Meine eigenen Texte liefern dafür den begrifflichen Unterbau.

Die doppelten Standards sind dabei kein Betriebsunfall. Sie sind der Treibstoff. Ein Milieu, das Betroffenheit selektiv amplifiziert, kann aus jedem anschlussfähigen Fall moralische Energie gewinnen und aus jedem nicht anschlussfähigen Fall moralische Kälte machen. Der Unterschied liegt nicht bloss in Ideologie. Er liegt in der sozialen Kostenstruktur. Wer sich für manche Themen exponiert, erhält Anerkennung, Sichtbarkeit und Gruppenwärme. Wer sich für andere exponiert, riskiert Friktion, Kontaktschuld, Karriereeinbussen oder den Verdacht, falschen Leuten Argumente zu liefern. Die normative Asymmetrie ist also nicht nur in Sätzen gespeichert, sondern in Sanktionen. Genau deshalb reichen Appelle an Konsistenz selten aus. Eine inkonsistente Öffentlichkeit ist meist nicht schlicht verwirrt. Sie ist belohnungslogisch sortiert.

Das erklärt auch, weshalb die Hilbert Salami so gut funktioniert. Sie verbindet zwei Vorteile. Erstens hält sie das eigene Lager in Bewegung. Es gibt immer noch eine nächste Stufe, einen nächsten Hebel, einen nächsten Antrag, eine nächste Scheibe. Zweitens verhindert sie die saubere Endabrechnung. Wer jetzt Kritik übt, gilt als voreilig, weil das Ergebnis ja noch komme. Wer später Kritik übt, gilt als kleingeistig, weil man doch wenigstens schon Schritte gegangen sei. So wird aus politischer Verzögerung moralische Immunisierung. Nicht das Scheitern muss erklärt werden, sondern der Kritiker muss begründen, weshalb er diesen Fortschritt nicht würdige. Das ist ein bemerkenswert effizientes Verfahren, um reale Ergebnislosigkeit in symbolische Aktivität umzubuchen.

Gerade deshalb sollte man die Construal Level Theory nicht als Bedienungsanleitung für politische Überredung lesen, sondern als Warnsignal. Das Paper selbst sagt, dass erfolgreiche Zielerreichung eher von spezifischen, detaillierten Zielen abhängt als von abstrakten Oberzielen. Die ältere Zielsetzungsforschung bestätigt das. Die Meta Analyse von Mento, Steel und Karren fand deutliche Unterstützung dafür, dass schwierige und spezifische Ziele leistungswirksamer sind als vage „do your best„-Formeln, und dass die Kombination mit Feedback wichtig ist.14 Gollwitzer und Sheeran zeigten in ihrer Meta Analyse zu Implementation Intentions, dass der Sprung von blosser Zielintention zu konkreten Wenn-Dann-Plänen die Zielerreichung substanziell verbessert.15

Die Konsequenz ist meiner Meinung nach trivial: Wer ernsthaft langfristige Politik machen will, muss Schluss machen mit subjektiv billigen Vertröstungen. Zwischenziele dürfen keine PR Brocken sein. Sie müssen als überprüfbare Zustände definiert werden. Jede öffentliche Massnahme, jedes Projekt, jedes Gesetzesvorhaben mit einschneidender Wirkung sollte gesetzlich einen Mindeststandard an Terminierung, Zieldefinition, Zwischenmetriken und Verantwortungszuordnung erfüllen. Nicht bloss Zieljahre wie 2030 oder 2045, sondern konkrete Fristenketten. Nicht bloss moralische Leitbilder, sondern operative Zustände. Nicht bloss Evaluationsversprechen, sondern automatische Offenlegung des Zielerreichungsgrades. Nicht bloss abstrakte Rechenschaft, sondern Malus und Bonus.

Malus und Bonus klingen vielen Deutschen verdächtig technisch. Genau deshalb wären sie so heilsam. Wer öffentlich harte Eingriffe, Kosten, Einschränkungen oder neue Zuständigkeiten rechtfertigt, soll nicht nur die Macht, sondern auch das Risiko tragen. Werden selbst gesetzte oder gesetzlich normierte Zwischenziele ohne substantielle, öffentlich dokumentierte Begründung verfehlt, müssen automatische Konsequenzen eintreten. Das kann fiskalisch, administrativ oder reputationsgebunden geschehen. Denkbar sind Sunset Klauseln, automatische Wiedervorlagepflichten, befristete Ermächtigungen, Sperren für Folgeinstrumente ohne Erfolgsnachweis, Pflicht zur unabhängigen Revision oder auch ganz banal die gesetzliche Pflicht, in einer standardisierten öffentlichen Rechenschaftsmatrix Ziel, Frist, Ist Stand, Abweichung, Grund und Korrekturpfad offenzulegen. Die OECD spricht in ihrem Evaluation Toolkit ausdrücklich von der Notwendigkeit institutionalisierter Verantwortlichkeiten, Anreize und Rechenschaft sowie konsistenter Evaluationspraxis; ihre Arbeiten zu „sludge audits“ zeigen zugleich, wie administrative Friktionen systematisch identifiziert und reduziert werden können, statt Bürger still in Reibung zu ertränken.16 17

Die weitere Konsequenz betrifft die Bürger. Eine Öffentlichkeit, die sich nicht länger mit Hilbert Salami füttern lassen will, braucht einen Methodenbaukasten. Nicht als Schulspruch, sondern als operatives Werkzeug. Er beginnt mit einer trivialen, aber fast ausgestorbenen Unterscheidung. Was ist Beobachtung. Was ist Modell. Was ist Interpretation. Was ist Werturteil. Sodann folgt die Zeitachse. Welches konkrete Ergebnis wurde wann versprochen. Wurde aus einem Ziel ein Zwischenziel gemacht. Wurde aus einem Zwischenziel eine Prozessphase gemacht. Wurde eine Frist ersetzt durch eine Formulierung wie bald, rasch, geraume Zeit, wir sind dran, das braucht jetzt noch etwas, etc. pp. Wer trägt Kosten jetzt, und wer beansprucht Nutzen später. Welche Akteure profitieren reputational bereits vor Eintritt des behaupteten Erfolgs. Wird moralische Dringlichkeit benutzt, um Beweislast, Verhältnismässigkeit oder Symmetrie der Normanwendung zu unterlaufen?

Gerade an der steganographischen Form moderner Manipulation hapert es. Viele Menschen hören nur den Klartext. Schutz. Solidarität. Demokratie. Würde. Respekt. Wer solche Wörter kritisiert, erscheint roh oder zynisch. Genau darin liegt die Raffinesse. Der operative Gehalt sitzt meist nicht im Wort, sondern in der Funktion des Wortes. Dient Schutz der punktgenauen Abwehr eines klar benannten Übels, oder dient es als Scharnier für Ausweitung, Vorverlagerung, Entgrenzung und asymmetrische Durchsetzung. Dient bald der ehrlichen Kennzeichnung eines eng terminierten Vorhabens, oder dient es der Fortsetzung eines Zustands ohne Rechnungslegung. Dient Einzelfall, man denke an den berühmten Einmann, der konkreten Bearbeitung eines Schadens, oder dient er als Testimonial Rammbock für längst vorbereitete Agenden.

Hilberts Hotel veranschaulicht, dass Unendlichkeit nicht dort beginnt, wo etwas gross ist, sondern dort, wo die Struktur jede endgültige Schliessung verhindert. Die Hilbert Salami ist genau so gebaut. Sie verspricht nicht offen die Ewigkeit. Sie produziert bloss einen Mechanismus, in dem das Ziel mit jeder Scheibe nachrückt. Medien, NGOs und Politik bilden dabei eine bemerkenswert leistungsfähige Maschine. Ein Anlassfall liefert moralische Energie. Aktivistische Akteure liefern Sprachformeln und Forderungskataloge. Ministerien liefern Ankündigungsmasse. Leitmedien liefern Taktung und soziale Plausibilisierung. Korrekturen kommen, wenn überhaupt, später, leiser und mit geringerem Resonanzwert. Der Bürger soll nie ankommen. Er soll bloss in Bewegung gehalten werden.

Darum ist der entscheidende politische Satz nicht: „Wir müssen etwas tun.“ Dieser Satz ist zu trivial. Er kostet nichts und öffnet jede Tür. Der entscheidende Satz lautet: Was genau, bis wann, mit welchem messbaren Zustand, unter welcher Haftung, mit welchem automatischen Rückbau bei Verfehlung. Wer darauf keine klare Antwort geben will, serviert meist schon die nächste Scheibe.


Quellen

  1. Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Infinity“, Archiv Herbst 2022, Abschnitt zu Hilbert’s Hotel. https://plato.stanford.edu/archives/fall2022/entries/infinity/ ↩︎
  2. Sofia Taxidis, „Spiegel, Fernandes, HateAid, Hubig: Der Plot kollabiert an seinen Widersprüchen“, Tichys Einblick, 01.04.2026. https://www.tichyseinblick.de/meinungen/fall-spiegel-fernandes-hateaid-hubig-plot/ ↩︎
  3. Alexander Fröhlich, „Deutsche Behörden sollen Ermittlungen übernehmen: Spanische Staatsanwaltschaft sieht sich nicht zuständig für Fernandes und Ulmen“, Der Tagesspiegel, 31.03.2026, insbesondere zur Zuständigkeitsfrage und zum Vorermittlungsstand. https://www.tagesspiegel.de/deutsche-behorden-sollen-ermittlungen-ubernehmen-spanische-staatsanwaltschaft-sieht-sich-nicht-zustandig-fur-fernandes-und-ulmen-15418001.html ↩︎
  4. Felix W. Zimmermann, „LG Hamburg entscheidet über Spiegel Bericht: Christian Ulmen greift Deep Fake Verdacht gerichtlich an“, Legal Tribune Online, 01.04.2026, insbesondere zu Unterlassungsanträgen und den nicht angegriffenen Kernvorwürfen. https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/lg-hamburg-entscheidet-ueber-spiegel-bericht ↩︎
  5. „Christian Ulmen geht juristisch gegen den Spiegel vor“, Die Zeit, 02.04.2026, zur Differenz zwischen explizitem Vorwurf und erzeugtem Verdacht. https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-04/christian-ulmen-einstweilige-verfuegung-spiegel-collien-fernandes-deepfakechristian-ulmen-einstweilige-verfuegung-spiegel-collien-fernandes-deepfake ↩︎
  6. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Meldung „Mehr Schutz vor digitaler Gewalt“, 20.03.2026, sowie Interview „Kein Mensch sollte sich das gefallen lassen“, 20.03.2026. Die offizielle Kommunikation kündigte ein Schliessen von Strafbarkeitslücken an. https://www.bmjv.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2026/0320_Digitale_Gewalt.html ↩︎
  7. HateAid, Startseite und Erklärung „Konstruierte Verschwörungserzählungen über HateAid“, März 2026, zur Unterstützung von Fernandes und zur politischen Positionierung der Organisation. https://hateaid.org/in-eigener-sache-konstruierte-verschwoerungserzaehlungen-ueber-hateaid/?mtm_campaign=Desinformationskampagne&mtm_kwd=instagram-video-collien-deepfakes ↩︎
  8. Campact, Pressemitteilung „250 prominente Frauen starten WeAct Petition zu digitaler Gewalt“, 24.03.2026, sowie WeAct Petition „In Solidarität mit Collien Fernandes: 10 Forderungen an die Bundesregierung“. https://www.campact.de/presse/mitteilung/20260324-pm-weact-fernandes/ ↩︎
  9. Marc Weidner, „Wo waren wir?“, CenturionBlog, 29.03.2026, besonders zur Erzählbarkeit von Unrecht und zur Anschlussfähigkeit als Mobilisierungsbedingung. https://coresecret.eu/2026/03/29/wo-waren-wir/ ↩︎
  10. Marc Weidner, „Vom Sein. Von der Wärme des Kollektivismus.“, CenturionBlog, 28.03.2026, besonders zur psychischen Entlastungsfunktion von Zugehörigkeit. https://coresecret.eu/2026/03/28/vom-sein-von-der-waerme-des-kollektivismus/ ↩︎
  11. Marc Weidner, „Von Doppelmoral, Wissen und Umsetzung“, CenturionBlog, 25.03.2026, besonders zur Differenz zwischen Normwissen und symmetrischer Selbstanwendung. https://coresecret.eu/2026/03/25/von-doppelmoral-wissen-und-umsetzung/ ↩︎
  12. Marc Weidner, „Von Nudging und Sludging“, CenturionBlog, 31.03.2026, besonders zur Charakterverwaltung durch politische Kommunikation. https://coresecret.eu/2026/03/31/von-nudging-und-sludging/ ↩︎
  13. Susie Wang, Mark J. Hurlstone, Zoe Leviston, Iain Walker, Carmen Lawrence, „Construal level theory and psychological distancing: Implications for grand environmental challenges“, One Earth 4, 2021, besonders Summary, Abschnitte zur Darstellung entfernter Umweltprobleme, zu distant targets und zur Warnung vor simplen Kommunikationshebeln. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2590332221001834 ↩︎
  14. Anthony J. Mento, Robert P. Steel, Ronald J. Karren, „A meta analytic study of the effects of goal setting on task performance: 1966 to 1984“, Organizational Behavior and Human Decision Processes 39, 1987. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/0749597887900458 ↩︎
  15. Peter M. Gollwitzer, Paschal Sheeran, „Implementation Intentions and Goal Achievement: A Meta analysis of Effects and Processes“, Advances in Experimental Social Psychology 38, 2006. https://www.sciencedirect.com/science/chapter/bookseries/pii/S0065260106380021 ↩︎
  16. Cass R. Sunstein, „Sludge Audits“, Behavioural Public Policy 2022; OECD, „Fixing frictions: sludge audits around the world“, 2024, besonders zur systematischen Erfassung psychologischer und administrativer Belastungen. https://www.cambridge.org/core/journals/behavioural-public-policy/article/sludge-audits/12A7E338984CE8807CC1E078EC4F13A7 ↩︎
  17. OECD, „Implementation Toolkit for the OECD Recommendation on Public Policy Evaluation“, 2025, besonders zu Anreizen, Verantwortlichkeiten, Accountability und institutionalisierter Evaluation. https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2025/02/implementation-toolkit-for-the-oecd-recommendation-on-public-policy-evaluation_f24516be/77faa4fe-en.pdf. ↩︎

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