Vom Verstummen. Vom Verlust einer Existenz. Vom Preis des Schweigens.

Morgen werden mein Blog und grosse Teile meiner Infrastruktur teilweise oder ganz nicht mehr erreichbar sein. Es geht nicht um abstrakte Unannehmlichkeiten, nicht um kosmetische Einschnitte und nicht um das übliche Gerede vom digitalen Wandel, sondern um den akuten Verlust von Sichtbarkeit, Kommunikationsfähigkeit, technischer Handlungsbasis und damit um den weiteren Abbau meiner Existenzgrundlage. Wer helfen will, soll jetzt helfen. Wer nicht spenden kann, soll diesen Beitrag teilen. Wer publizistisch, juristisch oder organisatorisch helfen kann, soll sich melden. Meine laufende Dokumentation des Verfahrens und die Unterstützungsmöglichkeiten finden sich hier:

https://coresecret.eu/2026/01/10/arbeitsgerichtsverfahren-lissabon/
https://www.gofundme.com/f/rechtsverteidigung-existenzsicherung-arbeitsgericht-lisbon
https://www.paypal.com/paypalme/coresecret
https://web.archive.org/web/20260414122648/https://coresecret.eu/2026/01/10/arbeitsgerichtsverfahren-lissabon/

Vom Praktischen der Zerstörung

Ein grosser Teil der öffentlichen Rede über Not ist unerfreulich abstrakt. Man sagt Existenzverlust und meint eine Zahl in einer Excel-Tabelle. Man sagt Wohnungsverlust und meint eine biographische Delle. Man sagt Isolation und meint ein paar Tage Stille. Die Wirklichkeit ist härter. Sie lebt mit dem Wissen, dass Gegenstände, die man über Jahre gesammelt hat, nicht mehr auf einen warten, sondern längst verschwunden sind. Sie hat nichts Romantisches, nichts Heroisches, nichts Erhabenes.

Ich lebe inzwischen ohne Wohnung. Ich habe meine materielle Lebensbasis verloren, meine Bibliothek, meinen Hausrat, vieles von dem, was einmal Alltag und nicht bloss Besitz war. In einem früheren Text habe ich bereits festgehalten, dass von meiner wirtschaftlichen und sozialen Existenz am Ende nur noch wenig Kleidung und mein Laptop übrig blieben. Selbst eine heisse Mahlzeit war dort nicht mehr als Selbstverständlichkeit beschrieben, sondern als verlorene Normalität. Dieser Satz war keine literarische Überhöhung, sondern eine knappe Bestandsaufnahme.1

Wohnungslosigkeit ist nicht bloss ein Mangel an Adresse. Sie zerschneidet Zeit. Sie nimmt den Tag auseinander. Was andere als Grundlage ihrer Handlungsfähigkeit gar nicht mehr wahrnehmen, wird zum ständigen Problem. Wo kann ich arbeiten. Wo kann ich sicher schlafen. Wo kann ich Geräte laden. Wo kann ich etwas verschicken. Wo kann ich Unterlagen sichten. Wo kann ich für ein laufendes Verfahren überhaupt noch wie ein geordneter Mensch auftreten, wenn die materiellen Bedingungen geordneten Handelns bereits zerfallen. Der Verlust einer Wohnung ist nicht nur ein räumlicher Verlust. Er frisst Würde, Konzentration, Takt und Kraft.

Hinzu kommt das Ghosting. Nicht als gekränkte Eitelkeit, sondern als soziale und politische Erfahrung. Über Jahre habe ich geschrieben, dokumentiert, gesichert, nachgefasst, archiviert, erinnert, erneut angeschrieben, neue Belegwege geschaffen, Presse, Abgeordnete, Parteien, Kanzleien, Medienleute, Organisationen und Kritiker kontaktiert. Ein erheblicher Teil davon blieb ohne jede Antwort. Nicht einmal mit einer Absage. Kein Nein. Kein Vielleicht. Kein Verweis. Kein kurzer Satz, dass jemand den Eingang wenigstens registriert hätte. Das Schweigen selber wurde zur Botschaft.

Ghosting ist für Aussenstehende oft nur ein hässliches Wort aus der Kommunikationspsychologie. Für den Betroffenen ist es etwas Konkretes. Es erzeugt das Gefühl, sich immer präziser ausdrücken zu müssen, weil der Fehler vielleicht bei der Form lag. Man schreibt sachlicher. Man schreibt kürzer. Man schreibt mit Timeline. Man schreibt mit Dokumenten. Man schreibt mit Links. Man schreibt mit Archivkopien. Man schreibt mit Zustellnachweisen. Und irgendwann merkt man, dass nicht die Form das Problem war. Das Problem war die Gleichgültigkeit oder die Feigheit des Empfängers. Dann kippt die Sache. Nicht in Wut, sondern in eine seltsame Mischung aus Ernüchterung und Kälte.

Das Absurde an meiner Lage liegt genau hier. Ich stelle bei einem laufenden Verfahren maximale Transparenz her. Ich dokumentiere, was ich dokumentieren kann, obwohl mir das bei ungünstiger gerichtlicher Würdigung sogar nachteilig ausgelegt werden könnte. Ich veröffentliche eine Dokumentationsseite. Ich sichere Archivkopien. Ich schaffe eine Kampagnenseite mit Zeitlinie und Belegverweisen. Ich schreibe über die persönliche Seite dieses Absturzes. Ich halte technische Infrastruktur am Laufen, um überhaupt sichtbar, erreichbar und arbeitsfähig zu bleiben. Und dennoch hänge ich fast vollständig im Nichts.2 3

Ich arbeite trotzdem weiter. Ich publiziere weiter. Ich analysiere weiter. Auch das habe ich im Januar offengelegt. Die bittere Ironie ist, dass ausgerechnet diese Arbeitsdisziplin kein schützendes Polster erzeugt hat. Sie hat den Druck eher sichtbarer gemacht. Ich funktioniere also weiter, während die materielle Grundlage dieser Arbeit kollabiert. Genau das ist der Punkt dieses Textes. Nicht Selbstmitleid. Nicht Selbstdarstellung. Sondern die öffentliche Notschrift eines Menschen, der unter maximalem Druck weiterhin arbeitet, dokumentiert und urteilt, während ihm Boden, Zeit und Infrastruktur entzogen werden.

Der dokumentierte Kern

Die Lage ist deshalb so schwer wegzudiskutieren, weil sie nicht bloss gefühlt, sondern dokumentiert ist. Die arbeitsrechtlichen Ansprüche laufen seit August 2021. Die Klage ist seit dem 23. Mai 2023 beim Arbeitsgericht in Lissabon anhängig. Der Streitwert der Klage liegt bei 137’938,20 EUR. Meine Dokumentationsseite beschreibt den Fall als klassische arbeitsrechtliche Streitigkeit mit ausstehenden Vergütungs- und Differenzansprüchen, Rechtsfolgen der Beendigung und Schadenpositionen, eingebettet in die Streitfrage, ob eine faktische Eingliederung in eine unzulässige Überlassungs- oder Subunternehmerkonstruktion vorliegt. Die GoFundMe-Kampagne spiegelt dieselben Eckdaten und benennt offen, dass es um Verfahrenskontinuität, Aktenzugang, zwingende Eingaben, Zustellungen und minimale Existenzsicherung geht, damit das Verfahren nicht faktisch austrocknet.4

Schon diese nackten Daten genügen, um den Charakter des Problems zu verstehen. Es handelt sich nicht um eine kurzfristige Unordnung, nicht um einen einzigen verpassten Termin, nicht um eine kleine Kommunikationsstörung zwischen Parteien. Es handelt sich um einen Langstreckenverschleiss. Meine Dokumentationsseite beschreibt ein Verfahren, das sich seit Mai 2023 nicht in einer klaren gerichtlichen Taktrate bewegt, sondern in Stottern, Stillstand und abrupten Zäsuren. Ein Anwalt zog sich im Oktober 2023 zurück, kurz bevor ein verspätet anberaumter Termin anstand. Später folgten weitere Brüche der Pflichtvertretung. Im Herbst 2025 kam es zu Richterwechsel, Entpflichtung, neuer Bestellung und erneuter Escusa.

Meine aktuelle Lage ist sogar noch schlimmer als der bereits öffentlich dokumentierte Stand von Januar und März 2026. Die zehnte durch die portugiesische Rechtsanwaltskammer bestellte Rechtsanwältin übernahm das Mandat am 4. Februar 2026. Bis zum 9. März 2026 unternahm sie keinerlei substantiierte Schritte, forderte nicht einmal zusätzliche Aktenstücke über Citius an und legte am selben Tag Escusa ein. Seitdem liegt weder ein anerkanntes Ende dieser Escusa vor noch eine neue stabile Bestellung. Faktisch befinde ich mich in einer Warteposition auf den elften Anwalt.

Die Chronologie ist deshalb so zerstörerisch, weil sie zwei Uhren gegeneinander laufen lässt. Die materielle Uhr läuft ununterbrochen. Miete, Essen, Transport, Aufbewahrung, technische Infrastruktur, Zustellungen, Akten, Übersetzungen, Zeit, Kraft. Die prozessuale Uhr hingegen stockt, springt, bricht ab, beginnt scheinbar neu, ohne je die gleiche Ernsthaftigkeit zu erreichen wie der materielle Druck. Meine Dokumentationsseite fasst diese Lage als Differenz zwischen normativem Recht und operativem Vollzug. Auf Papier garantieren Portugals Verfassung, das Gesetz über den Zugang zum Recht und zu den Gerichten, Art. 6 EMRK und Art. 47 der Grundrechtecharta Zugang zum Recht und Verfahren innert angemessener Frist. Im Vollzug aber kann ein System normativ sauber erscheinen und operativ dennoch scheitern, wenn Bestellung, Kontinuität und Verfahrenskoordination nicht funktionieren.5

Dass dieses Scheitern kein bloss individuelles Gefühl ist, zeigen die strukturellen Bezugspunkte, die ich auf meiner Dokumentationsseite selbst gesammelt habe. Dort wird auf wiederkehrende Hinweise der Europäischen Kommission zu Problemen der Effizienz des portugiesischen Justizsystems verwiesen. Die OECD wiederum beschreibt in ihrer 2024 veröffentlichten Studie zur Modernisierung des portugiesischen Justizsektors ein System, das zwar reformiert wird, aber weiter unter Druck steht, seine Responsivität, Effektivität, Zugänglichkeit und insbesondere die faire Ausgestaltung rechtlicher Unterstützung zu verbessern. Das ist keine Entschuldigung für mein Verfahren. Es ist der strukturierende Kontext, in dem ein Einzelfall wie meiner nicht wie ein bedauerlicher Ausrutscher, sondern wie ein Symptom erscheint.6

Hinzu kommt der materielle Aspekt, der gern verharmlost wird, sobald irgendwo eine prozessuale Zahl auftaucht. Der Streitwert von 137’938,20 EUR ist eine arbeitsrechtliche Bemessungsgrösse. Er ist nicht identisch mit verfügbaren Mitteln, und er bildet meine Verluste nicht einmal vollständig ab. Selbst meine eigene Kampagnenseite erklärt den Betrag als Mindestbedarf zur Aufrechterhaltung des Verfahrens und zur Absicherung zwingender Schritte. Das, was ich an Hausrat, Bibliothek und geordnetem Leben verloren habe, ist damit noch nicht vollständig erfasst. Irgendwann konnte ich nicht einmal mehr die Eilagerungskosten der Spedition bezahlen. Wer daraus noch eine rhetorische Überhöhung konstruieren will, hat entweder nicht verstanden, wie Verarmung funktioniert, oder will es nicht verstehen.

Auf GoFundMe habe ich offen festgehalten, dass mir bereits im Oktober 2023 die Wohnung verloren ging und es seither nicht nur um das Verfahren, sondern um die Wiederherstellung minimaler Lebens und Arbeitsfähigkeit geht. Die Kampagne nennt das, was viele in ihren Sonntagsreden nie benennen: Ohne Unterstützung droht der faktische Abbruch nicht, weil ich aufgebe, sondern weil laufende Prozesskosten, Zustellungen, Übersetzungen, Aktenzugang und minimale Stabilisierung nicht mehr tragbar sind. Damit ist die existenzielle Notlage nicht moralisch dramatisiert, sondern materiell und verfahrensrechtlich real beschrieben.

Vom Preis des Schweigens

Ein hochdokumentierter Fall garantiert noch keine Öffentlichkeit. Das ist vielleicht die bitterste Lehre dieser Jahre. Ich habe nicht auf den grossen Zufall gewartet. Ich habe geschrieben, nachgefasst, dokumentiert, erklärt, archiviert, verschickt und erneut verschickt. Über Jahre habe ich an zahllose Stellen geschrieben. Öffentlich nachprüfbar ist jedenfalls eine Teilmenge, die bereits absurd genug ist: über 30 internationale Kanzleien wurden erinnert oder kontaktiert, im Herbst 2025 gingen Schreiben an rund 60 Abgeordnete der Assembleia da República, und bereits 2023 wandte ich mich in Deutschland an Gewerkschaften, Presse und Parteien. Die Rückkopplung blieb fast vollständig aus. Nicht einmal Eingangsbestätigungen kamen zuverlässig zurück.

Ich schreibe bewusst fast vollständig aus der Ich-Perspektive und gleichzeitig mit Belegnähe und genau dort die liegt eigentliche Zumutung. Viele Menschen tun so, als müsse nur genug dokumentiert werden, dann werde Öffentlichkeit schon von selbst entstehen. Das Gegenteil ist wahr. Öffentlichkeit folgt oft Narrativen, nicht Akten. Komplexe Verfahren mit ausländischer Zuständigkeit, arbeitsrechtlicher Tiefe, organisationsrechtlichen Grauzonen und politisch unattraktiven Anschlussstellen sind arbeitsintensiv. Sie liefern selten sofortige Rendite. Man muss sie lesen. Man muss prüfen. Man muss sich exponieren. Und genau daran scheitert ein grosser Teil des angeblich so kritischen Betriebs.

Ich habe in den vergangenen Jahren nicht nur Institutionen angeschrieben, sondern auch Stimmen, die sich selbst gern als oppositionell, kritisch, freiheitlich oder staatsfern begreifen. Die Reaktionen waren ghosting wie üblich und wenn als Ausnahme maximal leer in der Sache. Mitgefühl, aber kein Einsatz. Verständnis, aber kein Aufgreifen. Ein Satz, dass mein Fall vielleicht gravierend sei, aber zu speziell. Ein anderer Satz, man sei nicht zuständig oder nicht prominent genug, um daraus etwas zu machen. In dem übergrossen Mehr kam gar nichts. Selbst in Milieus, die unentwegt von Staatsversagen, Medienversagen und Freiheitsabbau sprechen, bleibt konkrete Hilfe oft aus, sobald ein Fall nicht bequem konsumierbar, sondern arbeitsintensiv wird.

Genau das meine ich mit Peak Entsolidarisierung. Der dokumentierte Fall ist da. Die Unterlagen sind da. Die Zeitlinie ist da. Die Archivkopien sind da. Die Kampagnenseite ist da. Der persönliche Vorläufertext ist da. Die Rechtsfragen sind da. Die materielle Notlage ist da. Und doch bleibt fast alles still. Ein hochdokumentierter Fall kann über Jahre faktisch ignoriert werden, obwohl er Fragen berührt, die weit über den Einzelfall hinausreichen: effektiver Rechtsschutz, Pflichtvertretung, Big-Tech-nahe Verantwortungsdiffusion, grenzüberschreitende Arbeitsrealität, soziale Zermürbung als verdeckte Prozessmacht.

Das Schweigen ist deshalb nicht neutral. Meine Dokumentationsseite formuliert es deutlich: Wenn Rechtsdurchsetzung und Öffentlichkeit in demokratischen Systemen ein informelles Korrektiv bilden und dieses Korrektiv ausfällt, bleibt nur das Gericht, und gerade dort wirkt Langsamkeit doppelt. Dieser Satz trifft die Mechanik meines Falls präzise. Wo Öffentlichkeit ausbleibt und das Verfahren stockt, entsteht keine Balance, sondern ein Verstärker. Das Schweigen ausserhalb des Gerichts macht die Langsamkeit innerhalb des Gerichts noch zerstörerischer.

Viele der Systeme, die jetzt mit mir untergehen, waren nie bloss abstrakte Technik. Der Blog war nicht nur ein Blog. Er war Dokumentation, Archiv, Referenzpunkt und Gegenstimme. Die Resolver waren nicht nur DNS. Sie waren ein funktionierender Gegenentwurf zu einem Internet, das auf Filterung, Überwachung und Abhängigkeit zuläuft. Die Repositories waren nicht bloss Codeablagen. Sie waren sichtbare Arbeit, technische Autonomie und ein Beleg dafür, dass auch ein Einzelner noch etwas aufbauen kann, das über ihn selbst hinausweist. Der Mailserver war nicht nur Mail. Er war Kommunikationsfähigkeit in einer Lage, in der Kommunikationswege politisch und sozial längst nicht mehr trivial sind. Wenn diese Infrastruktur verschwindet, verschwindet deshalb nicht bloss Komfort. Es verschwindet Arbeitsfähigkeit, Sichtbarkeit, Kontaktfähigkeit und Gegenöffentlichkeit.

Vom Verstummen

Der Titel dieses Textes ist wörtlich gemeint. Verstummen ist nicht nur ein psychischer Zustand. Es kann technisch erzwungen werden. Es kann finanziell vorbereitet werden. Es kann verfahrensrechtlich beschleunigt oder verlangsamt werden. Es kann sozial dadurch abgesichert werden, dass fast alle den Fall zwar zur Kenntnis nehmen könnten, aber es nicht tun. Es kann sogar ganz ohne offenes Verbot eintreten. Man muss einen Menschen nicht einsperren, um seine Stimme kleiner zu machen. Es genügt, ihn in Verfahren zu binden, ihm materielle Grundlage zu entziehen, seine Kontaktarbeit unbeantwortet zu lassen und dann zuzusehen, wie die letzten Systeme aus Kostengründen abgeschaltet werden.

Ich schreibe diesen Text also nicht, um mich in eine Rolle zu setzen. Ich schreibe ihn, weil der Zustand erreicht ist, an dem das Beschreiben selbst zur letzten Form von Ordnung wird. Schon mein früherer Text „Vom Lone Wolf. Vom Verlust einer Existenz.“ war der Versuch, die persönliche Seite eines langen Zerfalls offenzulegen. Dieser neue Text geht einen Schritt weiter. Er verbindet die persönliche Fallhöhe mit der dokumentierten Lage und zieht daraus die Konsequenz. Ich stehe nicht bloss unter Druck. Ich stehe an einer materiellen Kante.

Ich habe seit 2021 mit offenen Ansprüchen zu kämpfen. Seit dem 23. Mai 2023 läuft die Klage in Lissabon. Die Pflichtvertretung brach wiederholt weg. Die zehnte Bestellung scheiterte zuletzt erneut. Ich habe dokumentiert, archiviert, publiziert, nachgefasst und zugleich meine Infrastruktur weiter betrieben. Jetzt brechen Sichtbarkeit und Technik selbst weg. Diese Lage ist weder pathetisch erfunden noch zufällig entstanden. Sie ist die Summe jahrelanger Verzögerung, institutioneller Instabilität, sozialer Gleichgültigkeit und materieller Ausblutung.

Appell

Wer helfen will, soll jetzt helfen. Nicht irgendwann. Nicht symbolisch. Nicht mit einem innerlichen Nicken vor dem nächsten Scroll. Jetzt.

Wer spenden kann, soll spenden. Wer nicht spenden kann, soll teilen. Wer publizistisch helfen kann, soll diesen Fall aufgreifen. Wer juristisch helfen kann, soll sich melden. Wer meine DNS-Resolver genutzt hat, wer meine Infrastruktur schätzt, wer meine Texte liest, wer meine Projekte nützlich fand, soll begreifen, dass hier nicht bloss eine Website verschwindet. Es verschwindet reale Gegenöffentlichkeit. Es verschwindet technische Autonomie. Es verschwindet dokumentierte Arbeit.

Ich bitte darum, dass man die Lage ernst nimmt. Mehr nicht. Weniger aber auch nicht.

Unterstützungsmöglichkeiten:

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Wenn dieser Beitrag morgen noch gespiegelt, geteilt, zitiert oder gesichert werden kann, dann soll er genau dafür dienen. Nicht als Klagegesang. Sondern als öffentliche Notschrift unter dokumentiertem Druck.


Quellen

  1. Marc Weidner, „Vom Lone Wolf. Vom Verlust einer Existenz.“, Coresecret, 9. Januar 2026, aktualisiert 12. Januar 2026, Passagen zum Verlust von Wohnung, Hausrat, Bibliothek und materieller Lebensbasis. https://coresecret.eu/2026/01/09/vom-lone-wolf-vom-verlust-einer-existenz/ ↩︎
  2. Marc Weidner, „Arbeitsgerichtsverfahren Lissabon“, Coresecret, 10. Januar 2026, aktualisiert 9. März 2026. https://coresecret.eu/2026/01/10/arbeitsgerichtsverfahren-lissabon/ ↩︎
  3. https://web.archive.org/web/20260414122648/https://coresecret.eu/2026/01/10/arbeitsgerichtsverfahren-lissabon/ ↩︎
  4. Marc Weidner, „Arbeitsgerichtsverfahren Lissabon“, Coresecret, Übersicht und Mini-FAQ, mit Angaben zu Ansprüchen seit August 2021, Klage seit 23.05.2023 und Streitwert 137’938,20 EUR; Marc Weidner, GoFundMe-Kampagne, Überblick und Zweckbindung der Spenden. https://www.gofundme.com/f/rechtsverteidigung-existenzsicherung-arbeitsgericht-lisbon ↩︎
  5. Marc Weidner, „Arbeitsgerichtsverfahren Lissabon“, Coresecret, Abschnitt „Rechtsstaatliche Massstäbe als Messlatte, nicht als Dekor“; Europäische Kommission, „What is the rule of law?“, Grundsätze effektiven Rechtsschutzes und unabhängiger Gerichte. https://coresecret.eu/2026/01/10/arbeitsgerichtsverfahren-lissabon/ ↩︎
  6. Marc Weidner, „Arbeitsgerichtsverfahren Lissabon“, Coresecret, Verweis auf wiederkehrende Hinweise der EU-Kommission; OECD, „Modernisation of the Justice Sector in Portugal“, 20. Juni 2024, Executive Summary zu Responsivität, Effektivität, Zugänglichkeit und rechtlicher Unterstützung im portugiesischen Justizsystem. https://coresecret.eu/2026/01/10/arbeitsgerichtsverfahren-lissabon/ ↩︎

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