Presseanfrage an den Chaos Computer Club e. V.
Kuraturleitplanken, Gemeinnützigkeit, Drift politischer Aktivismusformate auf dem Congress, 2023 – 2025
centurion.press, Santo António, Lissabon (PT), Sonntag, 28. Dezember 2025
Am 28.12.2025 habe ich eine formelle Presseanfrage an den Vorstand des Chaos Computer Club e. V. gerichtet. Gegenstand ist nicht ein einzelner Talk und nicht das übliche Reflexgefecht über politische Geschmacksfragen, sondern die methodische Kernfrage nach Kriterien, Verfahren und Verantwortlichkeit: Welche Leitplanken steuern heute die Programmkuratur des Congress, wenn in den letzten drei Jahren wiederholt Formate prominent erscheinen, die nach eigener Selbstbeschreibung primär aktivistisch, kampagnenförmig oder weltanschaulich gerahmt sind und den IT-Bezug nur noch dünn, indirekt oder gar nicht mehr ausweisen.
Der CCC ist kein x-beliebiger Veranstalter. Er ist eine reputationsstarke Institution in der deutschsprachigen Tech-Öffentlichkeit, historisch verknüpft mit Aufklärung, Technikfolgenanalyse, digitaler Grundrechtsarbeit und der Forderung nach rationaler, prüfbarer Argumentation in Fragen der Informationsgesellschaft. Gerade deshalb ist die Frage nach dem Grenzverlauf zwischen Bildung und Agitation nicht randständig, sondern zentral. Denn wer als Organisation Deutungshoheit beansprucht, muss auch die eigene Deutungsdisziplin begründen.
Die Anfrage adressiert drei Ebenen.
- Governance: Wer entscheidet, nach welchen dokumentierten Kriterien, und mit welcher sichtbaren Verantwortungszuordnung, wenn politische Formate unter dem Dach eines technisch definierten Grossereignisses platziert werden.
- Abgrenzung: Wie stellt der CCC in der Aussenwahrnehmung die Trennlinie zwischen Plattformbereitstellung und Vereinsposition her, insbesondere bei hochpolitischen Beiträgen, die in Titel, Abstract oder Rhetorik offenkundig Lagerlogik bedienen.
- Gemeinnützigkeit: Wie operationalisiert der CCC die Anforderungen des Gemeinnützigkeitsrechts und der Abgabenordnung, wenn politische Bildung nur dann tragfähig ist, wenn sie geistige Offenheit wahrt und nicht in einseitige Agitation oder parteipolitische Betätigung abgleitet. Das ist keine Nebensächlichkeit. Das ist der Compliance-Kern eines gemeinnützigen Vereins, der sich in der Öffentlichkeit als moralische und analytische Instanz positioniert.
Die Presseanfrage ist bewusst als Kriterienkatalog formuliert, nicht als moralischer Pranger. Sie verlangt keine Gesinnungsbestätigung, sondern Nachvollziehbarkeit: Minimalanforderungen an Technikbezug, methodische Transparenz bei politisch aufgeladenen Themen, sichtbare Kennzeichnung von Formaten ohne fachlichen Kern, sowie belastbare Mechanismen, die Einseitigkeit erkennen, begrenzen oder begründen. Damit wird eine einfache, aber unangenehme Frage gestellt: Ist der Congress noch primär ein Ort technischer Aufklärung und kritischer Technikkompetenz, oder verschiebt er sich in Teilen zu einer Bühne, auf der politische Selbstvergewisserung den Anspruch auf Analyse ersetzt.
Ich habe den CCC um eine schriftliche Stellungnahme bis 05.01.2026 ersucht, ersatzweise um eine kurze Rückmeldung mit Zeithorizont und Ansprechperson. Die Antwort, oder das Ausbleiben einer Antwort, ist selbst ein relevanter Befund. Nicht als Skandalnarrativ, sondern als Indikator institutioneller Reflexionsfähigkeit. Wer in der Informationsgesellschaft aufklären will, der muss bereit sein, die eigene Kuraturpraxis offenzulegen und die Differenz zwischen Bildung, Analyse und Agitation nicht bloss zu behaupten, sondern zu demonstrieren. Executive Summary und die Anfrage sind als Press Kit veröffentlicht und abrufbar unter:
https://coresecret.eu/2025/12/28/pressemitteilung-003-2025
Kernaussagen (3 Sätze): Der Chaos Computer Club e. V. muss transparent darlegen, nach welchen Kriterien er beim Congress Formate zulässt und prominent platziert, die den IT-Bezug nur noch schwach oder gar nicht mehr ausweisen, zugleich aber weltanschaulich eindeutig gerahmt sind. Als gemeinnützige Institution steht der CCC in der Pflicht, politische Bildung als geistig offene Aufklärung zu organisieren, nicht als einseitige Mobilisierungssprache unter Tech-Marke. Eine schriftliche Stellungnahme des Vorstands ist erforderlich, um Verantwortlichkeit, Abgrenzung zwischen Plattform und Vereinsposition sowie die gemeinnützigkeitsrechtliche Selbstkontrolle methodisch nachvollziehbar zu machen.
Medienhinweis: Alle relevanten Unterlagen sind veröffentlicht. Stellungnahmen erfolgen ausschliesslich als schriftliche Updates auf dieser Seite: Link, siehe oben
Update: Status der Presseanfrage vom 07.01.2026
centurion.press, Santo António, Lissabon (PT), Mittwoch, 07. Januar 2026
Die am 28.12.2025 an den Vorstand des Chaos Computer Club e. V. gerichtete Presseanfrage sah eine schriftliche Stellungnahme bis zum 05.01.2026 vor. Nach Ablauf dieser Frist wurde dem CCC stillschweigend in freundlicher Weise eine Nachfrist von 2 Tagen eingeräumt.
Bis zum Ablauf der Nachfrist ist keine Rückmeldung eingegangen. Weder eine Eingangsbestätigung noch eine Zwischenmeldung mit Zeithorizont oder Ansprechperson, noch eine inhaltliche Stellungnahme. Der Status der Anfrage bleibt damit unverändert: unbeantwortet.
Press Kit vom 28.12.2025
Presseanfrage vom 28.12.2025
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Tags
CCC, 39CR, Gemeinnützigkeit, Abgabenordnung, Aufklärung
Pressekontakt
Marc S. Weidner, Santo António, Lissabon (PT)
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Belegexemplar erwünscht.
Stand: 28.12.2025, 07:40 UTC
